Als SAP Freelancer arbeitest du häufig über Personalvermittler oder Agenturen – doch wie viel Marge behalten diese eigentlich für sich? Die Differenz zwischen dem, was dein Endkunde zahlt, und dem, was du als Stundensatz erhältst, kann erheblich sein. Typischerweise werden zwischen 10 % und 30 % des Kundensatzes einbehalten. Wer die genaue Marge kennt, kann gezielter verhandeln, faire Konditionen einfordern und seinen tatsächlichen Marktwert als SAP-Spezialist besser einschätzen.
Praktische Tricks, um die Vermittlermarge herauszufinden
Manche Vermittler arbeiten von Haus aus nach dem Open Book-Prinzip und geben Kunden und Lieferanten vollen Einblick in die Konditionen. Falls nicht, ist die einfachste Lösung nachzufragen. Schließlich ist man gegenüber der Agentur kein Bittsteller, sondern Vertragspartner auf Augenhöhe. Somit ist die Vermittlermarge auch kein Tabuthema, sondern ein wirtschaftlicher Faktor, der dein Einkommen maßgeblich beeinflusst.
Wenn du bereits für den Kunden tätig bist, gibt es in vielen Fällen eine diskrete Alternative. Denn die meisten Kunden wickeln ihre Lieferantenbeziehungen in SAP ab und dazu zählt auch die Beauftragung eines SAP-Freelancers bzw. der dazwischen geschalteten Agentur. Man kann also die Information direkt aus dem SAP-System ziehen.
Über die Belege
Zuerst benötigt man die Lieferantennummer der Agentur. Diese findest du über die Suchfunktion in der Transaktion <XK03> oder vor allem in SAP HANA-Systemen in der Transaktion <BP> für Business Partner.
Mit der Lieferantennummer suchst du in der Transaktion <ME2L> nach Bestellungen zu diesem Lieferanten. Meistens wird für eine solche Art von Dienstleistungsbestellungen eine separate Bestellart verwendet, die i.d.R. mit Z* anfängt. Ist eine Bestellung gefunden, springst du mit einem Klick in den Beleg oder zeigst die Bestellung mit Transaktion <ME23N> an. In der Bestellposition findest du im besten Fall deinen eigenen Namen (z.B. "Beratung März Herr Mustermann"). Je nachdem, wie die Position gepflegt ist, kann man auch den Stunden- oder Tagessatz herauslesen.
Wenn in der Position nur ein Pauschalbetrag angegeben wird, ist es besser, eine Bestellung mit bereits erfolgtem Rechnungseingang zu suchen. Um die Rechnung anzuschauen, gehst du in den Reiter "Bestellentwicklung" der Position und findest dort den fakturierten Rechnungsbetrag. Geteilt durch die geleistete Stundenzahl, ergibt das die von der Agentur fakturierte Rate.
Noch besser ist es, wenn der Kunde die Eingangsrechnung an den Rechnungsbeleg anhängt. Dann gehst du auf das Icon für "Dienste zum Objekt" in der Kopfzeile und schaust dir dort unter "Anlagenliste" die Eingangsrechnung der Agentur an.
Auf Tabellenebene
Manche Kunden schränken die Berechtigungen auf dem Produktivsystem stark ein. Sofern man wenigstens Berechtigung für die Transaktion <SE16N> hat, kann man auch direkt auf der Tabellenebene suchen. Über die Kopftabelle EKKO suchst du mittels der bekannten Lieferantennummer (EKKO-LIFNR) und gegebenenfalls der Bestellart (EKKO-BSART) nach den Bestellungen der Agentur. Mit der Bestellnummer zeigst du die Positionstabelle EKPO an und findest mit etwas Glück in der Artikelbezeichnung deinen eigenen Namen. Die Beträge der zugehörigen Eingangsrechnung finden sich in der Tabelle EKET.
Sofern das Test- oder Qualitätssystem einigermaßen aktuell ist, kannst du dein Glück auch dort versuchen. Im Testsystem sind die Berechtigungen meist großzügiger und vielleicht sind die relevanten Bestellungen schon vorhanden.
Ansprechpartner Endkunde
Natürlich kannst du auch deinen Ansprechpartner beim Kunden fragen. Ab einer gewissen Hierarchieebene kennt dieser in der Regel die verrechneten Stunden- bzw. Tagessätze. Da in Agenturverträgen oft eine Stillschweigeklausel über die Konditionen vereinbart wird, versteht es sich von selbst, diese Informationen diskret zu behandelt. Vor allem, wenn du damit in die Verhandlung mit der Agentur gehen willst.